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Mit dem Sohn lässt Bruno Masselon einen Klassiker aufleben


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Mehr als 40 Bewerber bislang für Joy Fleming Preis


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MANNHEIMER MORGEN


KULTUR
Hommage-Abend für Joy Fleming erntet Standing Ovations
10. März 2019 Autor: Martin Vögele (mav)
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„Ich habe noch nie so eine Stimme gehört, live gehört“, erinnert sich Sängerin Cindy Berger. 1969, genau vor 50 Jahren, sei es gewesen, als sie zusammen mit ihrem Partner Bert auf einem Marktplatz Musik gehört und nachgesehen habe, woher sie rührt. Sie fand: die Band Joy & The Hit Kids, die „Oh! Darling“ von den Beatles spielten. „Und seitdem habe ich sie eben verehrt“, sagt Berger über die Frau, zu deren Ehren sie zuvor eine packende Version des Beatles-Songs zum Besten gegeben hat: Joy Fleming. „Sie war einzigartig, sie war immer ehrlich, immer geradeaus, immer mit beiden Füßen auf dem Boden“, charakterisiert Ingrid Peters die im September 2017 verstorbene Künstlerin, der dieser besondere Abend im ausverkauften Mannheimer Capitol gewidmet ist.
FOTOSTRECKE
Organisiert wurde das Hommage Konzert an Joy Fleming von ihrem Lebensgefährte Bruno Masselon, ihren Söhnen Bernd Peter und Rainer Fleming und der Joy Fleming Band.
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„JOY TO THE WORLD“
Tribute Konzert für Joy Fleming
Am Samstagabend erinnerten Familienangehörige, Weggefährten und Freunde mit einem Konzert im Mannheimer Capitol an Joy Fleming: die Rock- und Bluesröhre ist im September 2017 gestorben, aber unvergessen.
Unter dem Titel „Joy To The World“ erweisen dabei Familienangehörige, Weggefährten, Freunde und musikalische Partner der Ausnahme-Vokalistin die Ehre - die nicht nur auf einzigartige Weise den Blues sang, sondern auch haufenweise Soul, Rock-Energie und Persönlichkeit auf die Bühne und ins Leben ihrer Fans brachte. Organisiert wurde das Tribute-Konzert von ihrem Lebensgefährten Bruno Masselon, ihren Söhnen Bernd Peter und Rainer Fleming und der Joy Fleming Band.

Sohn singt und moderiert
Bernd Peter Fleming, seinerseits Sänger, führt durch den Abend, an dem die meisten Mitwirkenden auch Songs zu Playback-Einspielungen anstimmen. Aber wer live mit der Joy Fleming Band spielt (Bruno Masselon am Keyboard, sein Bruder Pascal an der Gitarre, Martin Quinten am Schlagzeug und Niklas Esser am Bass), der singt ein Lied aus dem Repertoire seiner Mutter, erläutert Bernd Peter Fleming - der sich selbst für „Mercy Mercy Me“ und „Just To See You Again“ entschieden hat. Freund und Künstler Hans-Peter Schmidt-Treptow widmet der Ikone ein sehr persönliches musikalisches „Auf Wiedersehen“, Sängerin Maria Mastrantonio würdigt sie mit dem Titel „Here We Are“, und Liedermacherin Joana spielt allein auf der Gitarre „Butzekrampel“ (zugleich das erste Lied, das sie auf Flemings Wunsch im Dialekt komponiert habe) und mit der Band „In der Heimat isses schää“.
Die vier folgenden Sängerinnen haben - wie Joy Fleming selbst - beim Eurovision Song Contest (vormals Grand Prix Eurovision de la Chanson) teilgenommen und waren einander teils auch bei Vorentscheiden hierzu begegnet: Cindy Berger erinnert daran mit „Und leben will ich auch“, Ingrid Peters präsentiert „Halbblut“ und „Über die Brücke geh’n“, Corinna May singt „Kiss of Life“ und „I Can’t Live Without Music“, Schlager-Star Nicole neben „The Rose“ auch ihren Grand-Prix-Gewinnertitel „Ein bisschen Frieden“.
Als Fan seit er 14 war und späterer Freund der Familie, liest Steffen Antes zudem aus Flemings Biographie „Über alle Brücken“. Dazwischen werden Fotos und Filmeinspielungen auf der Leinwand gezeigt, die in vielfältige Form ihr Leben und Schaffen dokumentieren. Flemings Persönlichkeit und ihr Engagement spiegeln sich auch in der Auswahl der Einrichtungen, der die Konzerteinnahmen zugutekommen sollen: der Tierherberge Donzdorf (vertreten durch Schirmherrin Eugenia Prinzessin von Hohenzollern) und der Schloss-Schule Ilvesheim für blinde und sehbehinderte Kinder (auf der Bühne: Direktorin Stephanie Liebers).
Im Finale singen alle Künstler zusammen „Wenn man Freunde hat“, bevor ein filmischer Konzertmitschnitt Joy Fleming selbst den letzten Auftritt überlässt: Mit Lionel Richies „Still“ klingt ein Abend voller Musikalität und Gefühl aus, der einer großen, unvergesslichen kurpfälzischen Künstlerin die gebührende Referenz erweist. Das Publikum applaudiert im Stehen.
© Mannheimer Morgen, Sonntag, 10.03.2019

Rhein-Neckar-Zeitung

Die Rheinpfalz

Mannheimer Morgen

KULTUR
DAS INTERVIEW 
JOY FLEMINGS SOHN BERND UND IHR LEBENSGEFÄHRTE BRUNO MASSELON MÖCHTEN DAS ERBE DER VERSTORBENEN SÄNGERIN FORTFÜHREN – UNTER ANDEREM MIT EINEM PREIS

„Wir fühlen uns ihr wieder verbundener“

ARCHIVARTIKEL 17. August 2018 Autor: Jörg-Peter Klotz (jpk)
„In lieber Erinnerung an eine großartige Sängerin und einen liebevollen Menschen“ – dieser Satz ist das Einzige, was sich zurzeit auf Joy Flemings Homepage findet. Das Gedenken an die am 27. September 2017 überraschend verstorbene Rock-. Soul- und Bluesikone aus Mannheim will ihre Familie nun verstetigen. Ihr Lebensgefährte und Keyboarder Bruno Masselon und Sohn Bernd Peter als Sänger planen nicht nur, Joy Flemings Live-Projekte fortzuführen, sondern arbeiten auch an einer CD mit hinterlassenen Aufnahmen, einem Hommage-Konzert am 9. März 2019 im Capitol und möchten einen Joy-Fleming-Preis verleihen.Herr Masselon, Herr Fleming, Sie sind zwar noch in der Trauerphase. Bestehen inzwischen schon Pläne, wie es mit dem musikalischen Erbe Joy Flemings weitergeht? Bernd Peter Fleming: Der Todestag geht für uns einher mit dem Trauerjahr, das wir durchleben. Das haben wir gebraucht, um alles zu verarbeiten – aber auch um die organisatorischen Dinge zu bearbeiten. Wir sind da auch noch mittendrin, alles ist sehr emotionsgeladen, es fällt mir auch schwer, darüber zu reden. Tatsächlich war die Mama meine tagtägliche Beraterin, wir haben jeden Tag telefoniert und waren ganz eng verbunden. Sie war fast so etwas wie ein Zwilling, der ganz plötzlich fehlt. Bruno Masselon: Sie hat alles genau schriftlich geregelt, auch dass unsere Live-Projekte fortgeführt werden. Dabei habe ich oft gesagt: „Ich gehe eh vor Dir.“ Dann war der 27. September, als ich sie im Wohnzimmer gefunden habe, wie ein Messerstich.Bei den Live-Projekten treten Sie in die Fußstapfen Ihrer Mutter? Fleming: Ja, in Duo-Besetzung mit Bruno. Natürlich auch mit der Joy-Fleming-Band French Kiss. Das kann man variieren, wie es die Mama auch gemacht hat. Aber die Musikrichtung bleibt unverändert. Masselon: Eventuell auch im Trio mit meinem Bruder an der Gitarre. Die Konzertagenturen arbeiten gerade an Terminen.Gesanglich sind das ja die größten Fußstapfen, die es hierzulande gibt. Keine ganz beneidenswerte Position, wenn man allein an den „Neckarbrückenblues“ denkt...Fleming (lacht): Das stimmt. Das sehen wir auch bei den Proben, dass wir schon etwas anpassen müssen. Den „Neckarbrückenblues“, bei dem es übrigens eindeutig um die Kurpfalzbrücke geht, haben wir schon hinbekommen, das geht. Masselon: Normal macht das Talent zehn Prozent aus, der Rest ist Arbeit. Die Joy hatte Glück: Sie hatte 90 Prozent Talent (lacht). Hat aber auch hart gearbeitet. Auch, wenn es leicht ausgesehen hat. Unsere Vision muss jetzt anders sein, schon allein, weil ein Mann singt. Aber Bernd hat eine sehr schöne, tiefe Stimme. Die Interpretation kann er automatisch, weil er ihr Sohn ist und sich einfühlen kann.Vielen Lesern dieser Zeitung war es kurz nach Joy Flemings Tod ein Anliegen, dass die Kurpfalzbrücke nach ihr benannt wird – was nach aktueller Auskunft der Stadt kaum zustande kommen wird. Wie sieht das die Familie? Masselon: Wir haben das nur am Rande mitbekommen. In dem Moment war das für uns kein Thema. Fleming: Das hätte uns aber mit Sicherheit gefallen. Auch eine Joy-Fleming-Straße fänden wir schön. Vielleicht auf dem Gelände der Barracks, wo ihre Karriere begonnen hat. Das wäre eine schöne Verbindung.Herr Fleming, ist auch eine Platte mit Ihnen als Sänger geplant? Fleming: Auf jeden Fall wird es eine Platte mit hinterlassenen Sachen von der Mama geben. Das und auch die Konzerte sollen auch ein Dankeschön an alle Leute und Fans sein, für ihre sehr ergreifende Anteilnahme. Wir wurden da regelrecht überhäuft. Ein Album mit mir als Sänger gibt es gegebenenfalls auch. Aber das steht hintenan. Masselon: Bei der Platte mit Joys Sachen lassen wir uns Zeit, mindestens bis 2019. Das muss sehr schön werden, da geht es nicht um Verkäufe. Wir möchten darauf stolz sein.Ihre Mutter hat sich ja oft gewünscht, dass Sie singen. Fleming: Die Mama wollte das immer, ja. Das war aber schwierig mit meinem Beruf im Pflegebereich unter einen Hut zu bekommen. Texte lernen und Arrangements, Bühnenpräsenz entwickeln, sich Konzepte überlegen... da war nie die Zeit dazu. Mein Bruder und ich hatten aber immer die Möglichkeit, im Studio Texte zu schreiben oder im Backgroundchor zu singen; sie auf Tourneen zu begleiten. Kurz vor ihrem Tod haben wir den Grand-Prix-Titel „Miteinander“ als Duett aufgenommen. Danach hat sie mir noch mal gesagt: „Bu, du bist jetzt 40 Jahre alt, wenn du jetzt nichts als Sänger machst, brauchst Du’s gar nicht mehr machen.“ Da habe ich schon nachgedacht.Was erwartet die Fans beim Hommage-Konzert am 9. März? Fleming: Unser Ziel ist es, an diesem Abend die Präsenz der Mama in diesen Raum und die Seelen der Besucher zu bekommen. Dass sie wie lebendig wird. Originaltitel wie „Ein Lied kann eine Brücke sein“ oder die traditionelle Schlussnummer „Still“ werden wir nicht an Kollegen oder Freunde abgeben; die singt sie auf der Leinwand. Nicole, Lou und Sidney Youngblood sind defintiv dabei, Bill Ramsey sehr wahrscheinlich auch. Masselon: Auch Joana, Mary Roos, Corinna May... Edo Zanki eventuell.Sie planen einen Joy-Fleming-Preis. Für Sänger? Fleming: Ja, da geht es um Leute, die Können haben, die sich aber aus finanziellen Gründen nicht verwirklichen können. Da denken wir an eine Art Wettbewerb in verschiedenen Kategorien – auch für den Sänger mit der größten Schlappgosch, wie bei der Mama. Und für die beste Stimme. Vielleicht bekommen die dann eine Woche bei uns im Studio. Vielleicht auch für Künstlerkollegen, die mit der Mama zusammen Benefizarbeit geleistet haben. Aber der Preis ist noch ein kleines Baby, da brauchen wir natürlich auch Sponsoren. Im Frühling könnte es losgehen. Durch die ganze Arbeit fühlen wir uns ihr wieder verbundener – trotz des radikalen Risses im September. Masselon: Genau, wir haben jetzt den Eindruck, dass es weitergeht und Joys Tod kein Stoppschild war.© Mannheimer Morgen, Freitag, 17.08.20182 FOTOS ANSEHENJoy Fleming 2003 in ihrem Wohnzimmer in Sinsheim-Hilsbach. © FabryAnzeige

DIE NACHLASSVERWALTER

Bernd Peter Fleming wurde als einer von zwei Söhnen von Joy Fleming und Bernd Reiner Liebenow           am 7. November 1977 in Sinsheim geboren. Der Sänger, der seine Mutter oft begleitet hat, leitet in Ludwigshafen ein Pflegeheim und einen ambulanten Pflegedienst.Keyboarder, Komponist und Produzent Bruno Masselon, geboren am 6. September 1946 im französischen Decize an der Loire, studierte mit 17 am Konservatorium in Paris. 1997 holte ihn Joy Fleming in ihre Band, die beiden waren 20 Jahre lang ein Paar.Joy-Fleming-Tribute-Konzert am Samstag, 9. März, 20 Uhr, im Mannheimer Capitol. Karten unter 0621/33 67 333 (28,40 bis 32,80 Euro). jpk

Rhein-Neckar-Zeitung


Sohn organisiert "Hommage"-Konzert für Joy Fleming

Das Erbe von Joy Fleming: Sohn Bernd Peter arbeitet mit ihrer Musik seine Trauer auf - Hommage-Konzert, um den Fans zu danken

Bernd Peter Fleming tritt in die Fußstapfen seiner berühmten Mutter. Fotos: C. Barth


Von Christiane Barth
Sinsheim-Hilsbach. Für seine Mutter war er der "Berndl", jetzt will das mittlere der drei Kinder das Erbe einer großen Sängerin weiterführen. Bei einem "Hommage"-Konzert für seine Mutter Erna Liebenow, besser bekannt als Joy Fleming, will der Sohn, Bernd Peter, den Fans, die der Familie im Trauerjahr beigestanden haben, Danke sagen und "der Mama" einen Wunsch erfüllen: nämlich singen.
Dass die Arbeit im Tonstudio, bei nicht nur der Fleming’sche Neckarbrückenblues einstudiert wird, auch eine Art Trauerarbeit ist, merkte der 40-Jährige schnell: "Als ich Monate nach ihrem Tod das Mikro in die Hand nahm, auf dem noch ihr Lippenstift haftete, war sie mir wieder ganz nah."
Bernd Peter Fleming hat eine tiefe, sonore Stimme mit einem Timbre, das durchaus an die am 27. September 2017 im Alter von 72 Jahren verstorbene Rock-, Soul- und Bluessängerin Joy Fleming erinnert: "Wir waren uns sehr ähnlich und immer ganz nah beieinander". Dass diese Stimme zu bluesigen, jazzigen Spielarten allzu bereit ist, ahnt man schon, wenn er über seine Erinnerungen an den Tag spricht, als seine Mutter starb: "Zwei Stunden zuvor habe ich noch mit ihr telefoniert. Die Todesnachricht habe ich dann aufgenommen, als stünde ich neben mir. Ich habe mich wie im Automatismus durch den Tag bewegt."
Ihr Sohn Bernd Peter arbeitet mit ihrer Musik seine Trauer auf.

Eigentlich hätte alles anders kommen sollen: Joy Flemings Grand-Prix-Titel von 1986, "Miteinander", hatten Mutter und Sohn als Duo aufgenommen. Da kam wieder ein kleiner Anstupser, denn Erna Liebenow hat das Talent ihres Berndl längst erkannt. "Sie wollte immer, dass ich singe", sagt dieser heute. Der gelernte Altenpfleger und Leiter eines Pflegeheims in Ludwigshafen, der für seine Mutter immer der technische Berater war und ihr Marketing (unter anderem mit der Facebookseite) voranbrachte, der sie zudem beruflich oft begleitete, war jedoch ausgelastet: "Die Zeit", meint er entschuldigend.
Bernd Peter Fleming wuchs in Sinsheim auf, machte in einem Drogeriemarkt der Stadt eine Ausbildung, verbrachte dann 20 Jahre in seiner Wahlheimat Worms und ist jetzt in das Wohnhaus seiner Mutter in Hilsbach zurückgekehrt, wo er mit dem 72-jährigen Stiefvater Bruno Masselon, dem Lebensgefährten und Keyboarder der Mutter, sowie seinem Ehemann, Danny Liebenow-Silvertooth, und all den Katzen und Hunden lebt. "Den Bezug zu Sinsheim habe ich nie verloren", meint Bernd Peter. Sein Künstlername ist noch nicht auf seinem Personalausweis vermerkt, wie es bei der bekannten Mutter der Fall war: "Es war ihr Wunsch, mich Fleming zu nennen." Zu wenige Veröffentlichungen kann er bislang vorweisen. Doch das soll sich ändern. "Wir haben jetzt das Studio aufgeräumt", erzählt Bernd Peter Fleming, der früher bereits bei Aufnahmen seiner Mutter Duette mitgesungen hat und als Background-Sänger im Chor zu hören war: "Das war schon professionell, um die Mama zu unterstützen."
Bruno Masselon, der Lebensgefährte von Joy Fleming, begleitet am Keyboard. 

Ein Großteil des Programms seiner Mutter arbeitet er gerade auf und bringt es mit seinem Stiefvater sowie der Joy Fleming-Band, "French Kiss", auf die Bühne: Popballaden, Evergreens etwa von Chris Rea, Bruce Springsteen, Michael Jackson, aber auch Jazzstandards und eigene Produktionen. "Ungekannte Gold-stückchen" nannte Joy Fleming ihre gecoverten Titel. Freilich wird auch der Neckarbrückenblues integriert. "Doch den hat meine Mutter wahrlich verkörpert, das kann man nicht kopieren", gesteht der Sohn. Dass er beim Proben oft auch von Emotionen überwältigt wird, auch damit geht Bernd Peter Fleming souverän um. Die Offenheit der Bluesikone scheint er übrigens auch adaptiert zu haben: "Die Mama hat immer gesagt: Mach’s einfach, sag’s einfach, du hast nichts zu verbergen".
Das Hommage-Konzert "für die Fans, für die Mama und für unsere Verarbeitung", mit dem der Sohn nun seine Mutter "ehren möchte", findet am 9. März 2019, 20 Uhr, im Mannheimer Capitol statt. Viele befreundete Kollegen von Joy Fleming sind auch dabei wie Bill Ramsey, Mary Roos, Sydney Youngblood. Der Vorverkauf läuft. Weitere Konzerte deutschlandweit sollen folgen. Auch eine CD mit unveröffentlichtem Material der Mutter sowie eine eigene Produktion will Bernd Peter Fleming herausbringen. Zudem ist eine Preisverleihung für Nachwuchskünstler in Mannheim geplant.


Rhein-Neckar-Zeitung

Gedenken an Joy Fleming

"Wir lesen ihr am Grab die Briefe ihrer Fans vor"

Vor einem Jahr starb die Bluessängerin - Viel Zuneigung der Anhänger


Von Christiane Barth
Sinsheim-Hilsbach. Aufstehen, Tiere versorgen, Kaffee trinken und dann der Mutter auf dem Friedhof einen Besuch abstatten: Ein Ritual, das Bernd Peter Fleming jeden Morgen pflegt. Auch am Donnerstag. Wenngleich es etwas anders sein wird.
Denn am Donnerstag vor einem Jahr ist sie gestorben, die Frau mit der unschlagbaren Stimme: Joy Fleming. Dass auch ihre Fans um sie trauern, kann der Sohn nicht nur in den Facebook-Einträgen nachlesen.
Auch die vielen Blumen, die ständig auf dem Grab niedergelegt werden, sind Zeugnis, dass die begnadete Sängerin sehr vermisst wird.
Wenn es zu viele Blumen sind, bringt Bernd Peter sie ins Haus seiner Mutter, wo er mit dem Witwer, Bruno Masselon, seinem Ehemann und den vielen Tieren lebt: "Für die Friedhofsordnung sind es manchmal zu viele Blumen, für uns aber nie."
Joy Fleming mochte Blumen, vor allem Nelken und Rosen. Am liebsten aber waren ihr die Wiesensträuße, die ihr Bruno von Spaziergängen mitgebrachte. Die Fanrituale werden gepflegt: "Wir lesen ihr am Grab auch die Briefe ihrer Fans vor", berichtet Bernd Peter. Auch mit Teddybären und Kerzen vorm Haus bekundeten Fans das ganze Jahr über ihre Trauer um die verstorbene Künstlerin. Der Sohn und der Ehemann legen auch diese aufs Grab.
Flemings Sohn, Bernd Peter, und ihr Ehemann, Bruno Masselon, pflegen Rituale. 

Beim Fototermin auf dem Hilsbacher Friedhof bitten die Angehörigen jedoch darum, nicht zusammen mit dem Grab abgelichtet zu werden. Denn Joy Fleming war abergläubisch und achtete nicht nur auf schwarze Katzen, die von links nach rechts die Straße querten, sondern auch darauf, dass Bilder von Toten nicht zusammen mit Fotos der Lebenden an der Wand hingen.
Heute vermeiden es Bernd Peter und sein Stiefvater, am Grab fotografiert zu werden. Ob sie Unglück fürchten? Vielleicht ist es eher der Respekt vor dem Aberglauben der Mutter. Auch vor dem Tag, an dem sich ihr Tod zum ersten Mal jährt, ist Bernd Peter ein wenig bange: "Ich kann es mir noch gar nicht vorstellen, was da psychisch und seelisch passiert."
Eigentlich sei geplant, in trauter Runde zusammen zu sitzen und Fotoalben durchzublättern - nach dem täglichen Ritual auf dem Friedhof freilich: "Aber ich weiß noch nicht, ob wir das so schaffen." Auch Flemings Bruder Rainer, der in Sinsheim lebt, trauert mit der Familie: "Aber er möchte nicht in der Öffentlichkeit stehen."
An den Todestag seiner Frau kann sich Bruno Masselon, der 20 Jahre lang mit ihr verheiratet war, noch gut erinnern. Sie starb kurz vor dem Anpfiff des UEFA Champions League-Spiels des FC Bayern München gegen Paris St. Germain: Joy Fleming war Bayern-Fan und wartete auf ihren Mann, der an diesem Abend von einem beruflichen Frankreich-Aufenthalt zurück kam und mit dem sie das Spiel verfolgen wollte.
Als dieser gegen 20.30 Uhr das Haus betrat, schien es so, als sei sie auf der Couch eingeschlafen. Das Essen, das sie für ihn vorbereitet hatte, war noch warm. Er hatte Baguettes aus Frankreich mitgebracht und wollte seine Frau wecken, das Spiel mit ihr anschauen, die Brille war ein wenig verrutscht: "Ich dachte noch, sie schläft aber tief. Ich habe nicht verstanden, denn ich wollte nicht verstehen."
Eigentlich habe er immer gedacht, er stürbe zuerst. Doch Joy mahnte ihn stets, wenn sie stürbe, müsse er unbedingt weiterhin Musik machen. Dann habe er gesagt: "Ich sterbe doch sowieso vor dir, sprich bitte von etwas anderem."
Und eigentlich wollte er sich immer in seiner Heimat an der Loire beerdigen lassen. Doch am Tag nach ihrem Tod entschied er, den Bestattungsplatz neben seiner Frau zu reservieren. Für sich, wenn er mal stirbt: "Die Heimat an der Loire ist mir jetzt nicht mehr so wichtig."
Sechs Monate lang musste Bruno Masselon nach dem Tod seiner Frau im Krankenhaus behandelt werden: "In mir war alles blockiert." Als es ihm wieder besser ging, verbrachte er eine Zeit lang in Frankreich bei seinen Kindern, um sich besser zu fühlen. "Heute weiß ich, es geht mir dann besser, wenn ich ins Studio gehe und Musik mache."
Ein Trost ist für Bernd Peter Fleming nun: "Meine Mutter würde sich freuen, wenn sie sehen könnte, wie wir alle - Bruno, mein Mann, mein Bruder und ich - zusammen gefunden haben und ihr Erbe weiterführen, wie wir Musik machen, die Tiere versorgen, dass ihr Grab unweit des Hauses ist und dass alles so gekommen ist, wie sie es festgeschrieben hat." Und auch, dass von den Fans ein derart großer Schwung Zuneigung kommt, "hätte sie schon sehr gefreut".
Info: Die Einnahmen beim Joy Fleming-Tribute-Konzert am 9. März 2019, 20 Uhr, im Mannheimer Capitol, das Bernd Peter Fleming und Bruno Masselon auf die Beine stellen, kommen der Tierherberge Donzdorf und der Schloss-Schule Ilvesheim für blinde und sehbehinderte Kinder zugute.